Vier CPU-Generationen in einem Rechner

 
 

RETRO-DTP-PROJEKT · POWER MACINTOSH 7600

Vier CPU-Generationen in einem Rechner

Ein Streifzug durch Apples späte PowerPC-Ära – vom klassischen 604 über die Clone-Welt bis zum G3-Upgrade.

Frank Meiners  ·  frank-meiners.de  ·  April 2026

Im Rahmen meines Retro-DTP-Projekts rund um den Power Macintosh 7600 hat sich über die Zeit eine kleine, aber technisch bemerkenswerte Sammlung zusammengefunden: vier unterschiedliche CPU-Karten, die nicht nur verschiedene Leistungsstufen darstellen, sondern auch ein Stück Apple- und Mac-Clone-Geschichte erzählen. Was auf den ersten Blick nach ein paar Prozessor-Upgrades aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Zeitreise durch die zweite Hälfte der 90er-Jahre.

Der Power Macintosh 7600 gehört zu den sogenannten „Kansas“-Maschinen, die Apple ab 1996 mit austauschbaren CPU-Karten im Daughter-Card-Design auslieferte. Genau diese Austauschbarkeit macht ihn heute zu einer idealen Plattform, um verschiedene Prozessorgenerationen direkt miteinander zu vergleichen – im selben Gehäuse, am selben Bildschirm, mit derselben Software. Neben dem CPU-Slot bietet das Motherboard außerdem einen eigenen L2-Cache-DIMM-Steckplatz, der ab Werk allerdings leer blieb – ein optionales Upgrade, das Apple den Käufern selbst überließ.

Für mein YouTube-Projekt, in dem ich einen authentischen DTP-Workflow der späten 90er nachstelle, ist diese Flexibilität Gold wert. Je nach Szenario kann ich den Rechner in seiner Originalkonfiguration betreiben oder ihm mit einem G3-Upgrade deutlich mehr Leistung geben.

Diesen Upgrade-Pfad habe ich damals selbst durchlaufen: In den späten 90ern arbeitete ich mit einem Power Macintosh 7500, den ich zunächst mit einer 604e/180-Karte und später mit einer G3-Karte aufgerüstet hatte, bevor ich schließlich zu einem Power Mac G4 wechselte. Genau diese Stationen – vom 604 über den 604e und G3 bis hin zum G4 – kann ich heute im 7600 noch einmal nachvollziehen. Was damals pragmatische Aufrüstung war, ist heute lebendige Technikgeschichte.


ORIGINAL

PowerPC 604 · 132 MHz

Die Werkskonfiguration des Power Macintosh 7600/132, Baujahr 1996

Die originale CPU-Karte stammt aus meinem Power Macintosh 7600/132 und trägt einen PowerPC 604 Prozessor mit 132 MHz Taktfrequenz. Tatsächlich besitze ich zwei 7600er – einen mit 120 und einen mit 132 MHz –, aber nur eine Original-CPU-Karte, und die gehört zum schnelleren Modell. Der 7600 wurde 1996 in mehreren Taktvarianten ausgeliefert; äußerlich sind die Karten praktisch identisch, der Unterschied liegt in der Takt-Konfiguration auf dem Board.

CPU

PPC 604

Takt

132 MHz

Board

820-0828-A

Kühlung

Passiv





Links: Vorderseite mit passivem Alu-Kühlkörper, Apple © 1995 – Rechts: Rückseite mit Apple P/N 630-2270-A, Board 820-0828-A, FCC ID BCG6G4132


Die Karte eingebaut im 7600 – Blick auf den CPU-Slot, PCI-Steckplätze und das Netzteil

Sie repräsentiert den Zustand der Apple-Workstation-Klasse Mitte der 90er: solide, professionell, aber aus heutiger Sicht eher gemütlich unterwegs. Für damalige Anwendungen wie QuarkXPress 3.x oder frühe Photoshop-Versionen war die 604/132 absolut ausreichend. Wer heute allerdings versucht, damit ernsthaft zu arbeiten, spürt die Grenzen schnell – besonders bei Bildverarbeitung und komplexen Layouts.

Dennoch ist diese Karte für mein Projekt der wichtigste Referenzpunkt: Sie liefert das authentische 1996-Erlebnis, genau so, wie ein Anwender den Rechner damals aus dem Karton geholt hätte.

Der Referenzpunkt für Authentizität – das originale Erlebnis von 1996, ohne Upgrade, ohne Beschönigung.


APPLE UPGRADE

PowerPC 604e · 200 MHz

Aus dem Power Macintosh 8500 – Apples eigene Leistungsspritze

Mit der 604e-Generation brachte Apple eine deutlich optimierte Variante des 604-Kerns auf den Markt. Meine Karte stammt aus einem Power Macintosh 9600/200. Der Unterschied zum 604 ist nicht nur eine Frage des Takts: Der 604e-Kern arbeitet effizienter und bietet bei gleicher Taktfrequenz mehr Durchsatz.

CPU

PPC 604e

Takt

200 MHz

Herkunft

Apple (9600)

Kühlung

Passiv





Links: CPU-Karte Vorderseite mit massivem Alu-Kühlkörper, Board 820-0849-A – Rechts: Rückseite mit Apple P/N 630-2480-A, Rev. 02A

Im Betrieb macht sich der Unterschied zur 132-MHz-Karte sofort bemerkbar: Das System reagiert spürbar agiler, Photoshop-Filter laufen zügiger durch, und auch QuarkXPress fühlt sich beim Scrollen durch komplexe Layouts flüssiger an. Der massive Aluminium-Kühlkörper – ein Apple-Markenzeichen dieser Generation – kühlt dabei komplett passiv und lautlos.

Zusammen mit der CPU-Karte habe ich ein 512 KB L2-Cache-DIMM erworben, das in den ab Werk leeren Cache-Slot auf dem Motherboard des 7600 gesteckt wird. Es ist mit Motorola-SRAM-Chips (MCM67M518FN11) bestückt und beschleunigt den Zugriff auf häufig genutzte Daten spürbar. Dieses Cache-DIMM kommt allen CPU-Karten zugute, die keinen eigenen Cache mitbringen – also den 604- und 604e-Karten.


L2-Cache-DIMM (Motherboard): Motorola MCM67M518FN11 SRAM-Chips, Board 820-0565-A, © 1995


Diese Karte stellt für mich den idealen Mittelweg dar: deutlich schneller als das Original, aber weiterhin ein reines Apple-Produkt und zeitlich perfekt in die späten 90er passend. Wer den DTP-Workflow von 1997/98 nachstellen möchte, ist mit dieser Karte hervorragend bedient.


MAC CLONE

UMAX PowerPC 604e · 200 MHz

Ein Stück aus der vergessenen Clone-Ära der Apple-Geschichte

Ein besonders reizvolles Stück in der Sammlung ist die 200 MHz 604e-Karte von UMAX. Sie stammt aus einer kurzen, aber faszinierenden Phase der Apple-Geschichte, in der lizenzierte Hersteller wie UMAX, Power Computing und Motorola eigene Mac-kompatible Systeme bauen durften. Steve Jobs beendete dieses Programm nach seiner Rückkehr zu Apple 1997 – die Clone-Ära dauerte gerade einmal zwei bis drei Jahre.

CPU

PPC 604e

Takt

200 MHz

Herkunft

UMAX

Kühlung

Passiv





Links: Vorderseite „© 1996 UMAX COMPUTER CORP.“ mit Jumper-Pins – Rechts: Rückseite „PowerPC 604e/200“, P/N 910225-25

Kompatibilitätshinweis: Die UMAX-Karte funktioniert in meinem Power Macintosh 7600 leider nicht. Der Rechner startet mit ihr schlicht nicht. Die genaue Ursache ist noch unklar – möglicherweise ist die Karte für ein anderes Boarddesign oder ein Multiprozessorsystem ausgelegt, etwa einen UMAX SuperMac S900 DP. Die Jumper-Pins auf der Kartenoberseite dienen vermutlich zur Konfiguration von Bustakt oder Multiplikator, was auf eine andere Plattform-Erwartung hindeuten könnte. Endgültig verifizieren konnte ich das bisher noch nicht – der Punkt steht auf meiner Recherche-Liste.

Trotz der fehlenden Funktionalität im 7600 bleibt die UMAX-Karte ein historisch reizvolles Sammlerstück. Sie bringt eine andere Perspektive in das Setup: nicht Apple selbst, sondern die „alternative Mac-Welt“ der 90er. Und wer weiß – vielleicht findet sich irgendwann noch die passende Maschine für einen Test.


GENERATIONSSPRUNG

STORM G3/333 Xtrem

333 MHz, aktive Kühlung, Potentiometer – der 7600 in einer anderen Liga

Die mit Abstand eindrucksvollste Karte in der Sammlung ist die G3/333 Xtrem des deutschen Herstellers STORM (mit dem Slogan „Wir sorgen für Aufwind“). Sie ersetzt nicht nur den Prozessor, sondern katapultiert den gesamten Rechner in eine andere Leistungsklasse. Der PowerPC 750 (G3) brachte eine grundlegend modernere Architektur mit: effizientere Pipeline und deutlich höhere IPC (Instructions Per Clock). Besonders wichtig: Die Karte bringt ihren eigenen 1 MB Backside-Cache direkt auf dem Board mit – der L2-Cache-Slot auf dem Motherboard des 7600 wird damit überflüssig.

CPU

PPC 750 (G3)

Takt

333 MHz

L2 Cache

1 MB (onboard)

Herkunft

STORM (DE)





Links: Vorderseite mit V.S.TECH-Lüfter und „STORM – Wir sorgen für Aufwind“ – Rechts: Rückseite mit Potentiometern (RATIO/SPEED), „G3/333 Xtrem S0075“, Rev. 4

Sofort auffällig ist der aktive Lüfter – ein V.S.TECH-Modell mit 12V/1.08W, das im Betrieb leise, aber hörbar arbeitet. Das ist bei den 604/604e-Karten nicht nötig, macht bei der G3-Leistungsdichte aber durchaus Sinn.

Die eigentliche Besonderheit der STORM-Karte zeigt sich auf der Rückseite: Zwei Potentiometer mit den Beschriftungen „RATIO“ und „SPEED“ erlauben die stufenlose Einstellung von Bus-Multiplikator und Taktfrequenz. Damit ließ sich die Karte – ganz ähnlich wie bei modernen Gaming-PCs – gezielt übertakten. Wo andere Upgrade-Karten feste Jumper oder DIP-Switches verwendeten, bot STORM dem ambitionierten Bastler maximale Flexibilität. Da die Karte heute selten und als Sammlerstück wertvoll ist, habe ich die Werkseinstellungen belassen und auf Übertaktungsexperimente verzichtet.

Im Vergleich zu den 604/604e-Karten fühlt sich das System mit der G3-Karte grundlegend anders an: Anwendungen starten schneller, Photoshop 5.5 arbeitet flüssig auch mit größeren Dateien, und selbst InDesign 1.x – eine Software, die den 604 an seine Grenzen bringt – läuft akzeptabel. Das ist kein inkrementelles Upgrade, sondern ein Generationssprung.

Nicht nur schneller – eine andere Erfahrung. Der G3 verwandelt den 7600 von einer historischen Maschine in ein ernsthaft nutzbares Werkzeug.

Theoretisch geht es sogar noch weiter: Der Daughter-Card-Slot der Kansas-Plattform ist auch mit G4-Upgrade-Karten kompatibel. Hersteller wie Sonnet, PowerLogix und NewerTech boten Karten mit bis zu 1 GHz an – wie unter anderem der YouTube-Kanal Action Retro eindrucksvoll gezeigt hat. Damit ließe sich der 7600 bis hin zu Mac OS X 10.5 Leopard betreiben. Das wäre die absolute Maximalstufe für diese Plattform – für mein DTP-Projekt allerdings zu weit von der Authentizität der 90er entfernt. Die G3/333 ist für meinen Zweck der ideale Kompromiss zwischen Leistung und Zeitgeist.


Vier Karten im Überblick

Technische Daten und historische Einordnung auf einen Blick

PowerPC 604

132 MHz

604

Apple (Original)

1996


PowerPC 604e

200 MHz

604e

Apple (9600)

1997


PowerPC 604e *

200 MHz

604e

UMAX (Clone)

1996–97


G3/333 Xtrem

333 MHz

PPC 750

STORM (DE)

~1999


* Nicht kompatibel mit dem 7600 – Ursache noch nicht abschließend geklärt.


Fazit

Mehr als nur ein alter Desktop-Rechner

Der Power Macintosh 7600 ist weit mehr als ein Relikt aus den 90ern. Mit den richtigen CPU-Karten wird er zu einer Plattform, auf der sich die Evolution der späten PowerPC-Ära live erleben lässt – vom gemächlichen 604/132 über Apples eigene Leistungssteigerung und die kurzlebige Clone-Ära bis hin zum Generationssprung des G3.

Selten hat man die Möglichkeit, diese Entwicklung so direkt und greifbar im selben System nachzuvollziehen. Jede Karte erzählt ihre eigene Geschichte: über Apple, über den Markt, über eine Branche im Umbruch.

Für mein Retro-DTP-Projekt bedeutet das maximale Authentizität, wenn ich sie brauche, deutlich mehr Leistung, wenn es sinnvoll ist – und vor allem: jede Menge Freude beim Experimentieren. Der Kartenwechsel selbst dauert keine zwei Minuten – Gehäusedeckel abnehmen, Plastikabdeckung zur Seite klappen, alte Karte raus, neue rein, fertig. Genau für diese Einfachheit hat Apple das Daughter-Card-Design entwickelt.

Und genau darum geht es am Ende.


Frank Meiners

frank-meiners.de

Ein Streifzug durch Apples späte PowerPC-Ära – vom klassischen 604 über die Clone-Welt bis zum G3-Upgrade.