Sturm im 7600

 

Sonnet-Software für meine Storm G3 Xtreme

 

Wie die Sonnet-Software meine Storm G3 Xtreme zum Reden brachte

Jahrelang lief die Karte bei mir blind. Der passende Treiber kam am Ende ausgerechnet von der Konkurrenz.

In einem meiner beiden Power Macintosh 7600 steckt seit einer Weile eine kleine Rarität: eine Storm G3 Xtreme PCI 333. Eine deutsche Prozessor-Upgradekarte aus den späten Neunzigern, made by Storm – der Firma mit dem schönen Slogan »Wir sorgen für Aufwind«. Auf der Platine prangt der interne Name Ti750r2, auf der Rückseite klebt ein handschriftliches Etikett: G3/333 Xtrem, S0075. Ich benutze sie genau so, wie ich sie gekauft habe. Was mir immer gefehlt hat, war die passende Software.


Die Storm G3 Xtreme: aktiver Lüfter, zwei Kühlkörper über dem Cache, rechts das Storm-Logo mit »Wir sorgen für Aufwind«. Etikett: Ti750r2.

Takt nach Gefühl: die Potis auf der Rückseite

Das Besondere an der Storm ist, dass sie den Takt nicht über Jumper einstellt, sondern über zwei kleine Dreh­potentiometer auf der Rückseite: einer beschriftet mit RATIO, der andere mit SPEED. RATIO setzt den Multiplikator zwischen Bus und CPU, SPEED den Bustakt. Man dreht sich seinen Wunschtakt also im Wortsinn selbst zusammen – sehr direkt, sehr analog, sehr Neunziger.

In meinem Fall stehen die Potis so, wie ich die Karte übernommen habe: 300 MHz CPU-Takt bei 40 MHz Bus – ein Verhältnis von 7,5:1 – und der 1 MB große Backside-Cache läuft mit halber CPU-Frequenz, also 150 MHz. Trotz des Aufdrucks »333« fährt sie damit brav auf 300. Ich habe die Karte bewusst nicht angefasst; sie läuft stabil, die CPU-Temperatur pendelt sich bei angenehmen 34 °C ein.


Rückseite: die Dreh­potis RATIO und SPEED für Multiplikator und Bustakt. Oben rechts das Etikett »G3/333 Xtrem, S0075«.

KONFIGURATION »WIE GEKAUFT«

Prozessor

PowerPC 750 (G3), Ver. 3.0

CPU-Takt

300,1 MHz

Bustakt

40,0 MHz  (7,5:1)

L1-Cache

32K / 32K

Backside-Cache

1 MB @ 150 MHz — aktiv

CPU-Temperatur

34 °C

Der Holzweg: die Newer-Software

In einem Forum hatte ich gelesen, man könne für die Storm-Karten einfach die Newer-Software verwenden. Das klang plausibel – Newer Technology war schließlich einer der großen Namen bei den G3-Upgrades. Also probiert. Ergebnis: teils, teils.

× Newer

Gauge PRO liest die Karte aus.

  1. •Diagnose läuft

  2. •System­erweiterungen greifen nicht

  3. •Cache bleibt unangetastet

✓ Sonnet

Vollständig funktionsfähig.

  1. •Karte erkannt als Crescendo G3

  2. •Backside-Cache aktiviert

  3. •eigener Boot-Splash

Newers Diagnose-Tool Gauge PRO läuft und liest den Prozessor korrekt aus – PowerPC 750 (G3), Version 3.0, mit den richtigen Taktdaten. Nur bringt das allein noch nichts: Die eigentlichen System­erweiterungen von Newer, also der Teil, der den Backside-Cache aktiviert und die Karte scharf schaltet, arbeiten mit der Storm schlicht nicht zusammen. Diagnose ja, Ansteuerung nein.

Die Überraschung: Sonnet Crescendo

Aus einer Laune heraus habe ich es dann mit der Sonnet-Software für die Crescendo-Karten versucht – und war ehrlich verblüfft. Es funktioniert. Und zwar richtig. Die Karte wird als Sonnet Crescendo G3 erkannt, der 1 MB Backside-Cache wird sauber aktiviert, und sogar der Boot-Bildschirm zeigt stolz den Crescendo-G3-Splash, während »System wird gestartet…« durchläuft.


Der Beweis beim Start: Die Storm-Karte bootet unter dem Crescendo-G3-Splash von Sonnet – »Simply Fast«.

Zur Gegenprobe habe ich Sonnets eigenes Info-Tool Metronome und noch einmal Gauge PRO danebengelegt. Beide melden dasselbe: PowerPC G3 750, 300,1 MHz, 40 MHz Bus, L1-Cache 32K/32K, und – das entscheidende Detail – Secondary Cache: 1 MB @ 150 MHz (Backside). Genau der Teil also, den die Newer-Erweiterungen nicht zum Leben erwecken wollten, läuft mit der Sonnet-Software ohne Murren.


Gauge PRO bestätigt es schwarz auf weiß: 1 MB Backside-Cache @ 150 MHz, aktiv. Oben rechts Sonnets Metronome mit denselben Werten.


System-Reiter: erkannt als PowerMac 7500/7600-Serie, 40 MHz Systembus, 288 MB RAM, Virtual Memory an.

Warum das (vermutlich) klappt

Sicher belegen kann ich es nicht, aber technisch ergibt es Sinn: Die Storm G3 Xtreme sitzt auf demselben PowerPC-750-Kern wie die zeitgleichen Crescendo-Karten und dürfte den Backside-Cache über eine kompatible Registerlogik ansteuern. Sonnets Treiber findet damit genau das vor, was er erwartet, und schaltet den Cache frei – auch wenn auf der Platine »Storm« statt »Sonnet« steht. Ein glücklicher Zufall der Kompatibilität, kein offizieller Support. Wer das nachmachen will, sollte das im Hinterkopf behalten: Bei mir läuft es tadellos, garantieren kann es niemand.

Für mich ist damit ein jahrelanger blinder Fleck geschlossen. Die Storm-Karte war nie das Problem – es fehlte nur der richtige Treiber, und der kam am Ende ausgerechnet von der Konkurrenz.

Frank Meiners · frank-meiners.de Retro Mac · Power Macintosh 7600

 

Sonntag, 2. August 2026

 
 
Erstellt auf einem Mac

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