Der ADB-USB Wombat am Power Mac 7600
Apple Desktop Bus und USB trennen zehn Jahre und zwei grundverschiedene Denkweisen. Der ADB-USB Wombat übersetzt zwischen beiden in beide Richtungen — nur eine davon hat sich an meiner Maschine als sinnvoll erwiesen.
ADB-Geräte melden Ereignisse, wenn etwas passiert ist; USB-Geräte melden ihren Zustand, wenn der Host danach fragt. Der ADB-USB Wombat von Big Mess o' Wires schlägt die Brücke dazwischen, und zwar in beide Richtungen. Meiner sitzt am Power Macintosh 7600 — allerdings nicht für das, was ich ursprünglich vorhatte.
Ein Board, zwei Richtungen
Der Wombat ist kein Steckeradapter, sondern ein Protokollübersetzer mit eigenem Mikrocontroller — auf meiner Platine ein PIC32MX230. Welche Richtung gilt, entscheidet ein Jumper, dessen Zuordnung direkt auf dem Board aufgedruckt ist:
•USB — USB-Gerät an CON1, ADB-Kabel von CON3 zum alten Mac. Die Versorgung kommt über ADB.
•USB+PWR — dasselbe mit zusätzlicher Speisung über die Mini-USB-Buchse CON2. Der Wombat bleibt dann auch bei ausgeschaltetem Rechner wach, und die Taste F13 beziehungsweise Druck übernimmt die Funktion der alten Apple-Power-Taste.
•ADB — die Gegenrichtung: eine ADB-Tastatur an CON3, Mini-USB von CON2 an einen modernen Rechner.

Ohne Deckel: oben Mitte die ADB-Buchse (CON3), daneben Mini-USB (CON2) und der Power-Taster SW1, unten die USB-A-Buchse (CON1). Rechts die aufgedruckte INPUT-Tabelle mit dem Modusjumper J1.
Der schwarze Taster neben CON2 ersetzt die Power-Taste klassischer Apple-Tastaturen — jene Taste mit dem Dreieck, die bei den ADB-Macs kein gewöhnlicher Tastendruck war, sondern ein echter Einschalter. Wer eine USB-Tastatur ohne dieses Äquivalent benutzt, kann den 7600 trotzdem vom Schreibtisch aus starten.
Die Tastatur: eine Grenze, die nicht am Gerät liegt
Der naheliegende Gedanke war, gleich beides zu modernisieren. Bei der Tastatur endet das jedoch an einem Punkt, den keine Firmware auflöst: Deutsche PC-Tastaturen und deutsche Apple-Tastaturen sind sich bei den Buchstaben einig, bei den Sonderzeichen nicht. Klammern, geschweifte Klammern, Pipe, Backslash, At — genau dort liefen die beiden Welten historisch auseinander.
Der Wombat bringt dagegen einiges mit. Mit Control-Shift-Capslock-T zykelt man durch die Mappings US-GENERIC, ISO-GENERIC, ISO-FR und ISO-DE, Control-Shift-Capslock-G zeigt den aktuellen Stand. Für die verbleibenden Abweichungen gibt es das Keymap-Tool von BMOW, das eigene Zuordnungstabellen als Firmware-Erweiterung einspielt. Und zur Diagnose einen Keydump-Modus (Control-Shift-Capslock-C, beenden mit Control-D), in dem zu jedem Tastendruck der empfangene USB-Code und der erzeugte ADB-Code ausgegeben wird — damit ist schnell geklärt, ob das Gerät falsch übersetzt oder das Betriebssystem das falsche Layout geladen hat.
Nur: Am 7600 steht bereits eine deutsche Apple Extended Keyboard II mit dem Layout, für das dieser Rechner gebaut wurde — und mit den besseren Tastenschaltern. Jede Stunde Mapping-Arbeit hätte mich einer Lösung angenähert, die schlechter ist als das, was schon auf dem Tisch liegt. Also bleibt die Tastatur ADB, und der Wombat trägt nur die Maus.
Beides gleichzeitig ist ausdrücklich vorgesehen: Im USB-Eingangsmodus verarbeitet der Wombat eine USB-Tastatur und eine USB-Maus zusätzlich zu beliebig vielen ADB-Geräten am Bus.

Der Arbeitsplatz: deutsche Apple Extended Keyboard II per ADB, optische Logitech-Maus über den Wombat, auf dem 4K-Monitor der Schreibtisch des 7600 — über Extron-Scaler und Cam Link eingefangen.
Die Maus im Alltag
Hier passt alles zusammen. Kein Treiber, kein Kontrollfeld, kein Einrichtungsdialog: anstecken, Zeiger läuft. Drei Beobachtungen aus dem Betrieb:
•Die rechte Maustaste öffnet das Kontextmenü. ADB-Mäuse hatten nur einen Knopf; der Wombat übersetzt die rechte Taste in einen Control-Klick, und Mac OS macht daraus genau das erwartete Menü. Hat auf Anhieb funktioniert.
•Ein Druck aufs Mausrad ändert den Umsetzfaktor für die Zeigergeschwindigkeit. Das ist eine deutlich feinere Regelung als die groben Stufen im Kontrollfeld Maus. Laut Dokumentation liegt auf derselben Taste außerdem eine Umschaltung zwischen Control-Klick und echtem Rechtsklick für NeXT-Systeme, unterschieden nach Druckdauer.
•Die DPI-Taste der Maus wirkt ebenfalls. Das ist konsequent, denn diese Umschaltung passiert vollständig im Sensor: Die Maus meldet danach schlicht andere Zählwerte pro Zentimeter, der Wombat reicht durch, und Mac OS bekommt größere Deltas. Zusammen mit der Skalierung des Wombat und dem Kontrollfeld ergibt das drei Stellschrauben für ein Fahrgefühl, das man 1996 gar nicht einstellen konnte.
Das Scrollrad erzeugt Pfeil-hoch/runter-Tastendrücke — in Dokumenten praktisch, per Keymap-Tool abschaltbar. Nicht übersetzt werden Medien-, Lautstärke- und Eject-Tasten: Die gehören zur HID-Consumer-Klasse, die der Wombat nicht bedient. Bluetooth-Geräte funktionieren nicht, Funktastaturen mit eigenem 2,4-GHz-Dongle dagegen schon.
Welche Firmware läuft, verrät Control-Shift-Capslock-V: Der Wombat tippt die Antwort selbst in ein offenes Textfenster. Auf einem älteren Mac sieht das gelegentlich lückenhaft aus, weil die Tastaturabfrage des Systems mit dem simulierten Tippen nicht mithält — das ist kein Fehler des Geräts.
Fazit
Der Wombat löst ein Problem gründlich und ein zweites nur halb — und das liegt nicht am Gerät, sondern an der Natur der Sache. Mausdaten sind Bewegung und Tastendrücke, sonst nichts; sie übersetzen sich verlustfrei. Tastaturen tragen dagegen dreißig Jahre nationaler Belegungspolitik mit sich herum, und was auf den Tastenkappen unterschiedlich bedruckt ist, kann keine Firmware angleichen.
Für mich ist das eine saubere Arbeitsteilung. Die Tastatur aus den Neunzigern macht, wofür sie gebaut wurde. Die Maus von heute macht, was Mäuse damals nicht konnten. Und dazwischen sitzt ein Board, das man nach einer Woche vergisst — was für einen Adapter die höchste Auszeichnung ist.
Donnerstag, 13. August 2026
Meta-Description (DE): Der ADB-USB Wombat bringt eine optische USB-Maus an den Power Macintosh 7600 — und zeigt genau, wo die Tastaturübersetzung an Layoutgrenzen stößt.
English version: https://retro-workstation.com/blog/a-modern-mouse-for-adb/
Samstag, 15. August 2026