400 MHz sind nicht immer 400 MHz
Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M: 400 MHz sind nicht immer 400 MHz
Retro-Macintosh · Power Macintosh 7600 · Sonnet Crescendo/PCI G4
Die Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M gehört zu den spannendsten CPU-Upgrades für die alten PCI-Power-Macs der 7300/7500/7600/8500/9500/9600-Generation. Sie bringt einen PowerPC G4 in Rechner, die ursprünglich mit PowerPC 601, 604 oder 604e ausgeliefert wurden. In meinem Fall steckt die Karte in einem Power Macintosh 7600 — und zeigt ein interessantes Detail: Die nominelle 400-MHz-Karte läuft tatsächlich mit 405 MHz.

Meine Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M. Der markierte Oszillator ist mit 45.000 MHz beschriftet.
Der Grund dafür ist der auf der Karte verbaute Oszillator. Er liefert den Basistakt, aus dem die Karte über einen Multiplikator den CPU-Takt erzeugt.
Meine Karte: 45 MHz Oszillator, 405 MHz CPU-Takt
Auf meiner Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M ist ein 45.000-MHz-Oszillator verbaut. Das ist auf den ersten Blick etwas überraschend, denn bei einer 400-MHz-Karte würde man rechnerisch eher 40 oder 50 MHz erwarten.
Metronom bestätigt aber den tatsächlichen CPU-Takt: Die Karte läuft mit 405 MHz.
45 MHz × 9 = 405 MHz
Damit ist klar: Die Karte ist keine exakt mit 400,0 MHz laufende Variante, sondern eine auf 405 MHz getaktete Ausführung, die von Sonnet weiterhin als 400-MHz-Modell verkauft wurde. Das ist nicht ungewöhnlich. Solche nominellen Rundungen gab es bei CPU-Upgrades häufiger.
50-MHz-Varianten existieren offenbar ebenfalls
Interessant ist, dass im Netz auch Bilder von Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M-Karten mit 50-MHz-Oszillator zu finden sind. Diese Variante ergibt rechnerisch ebenfalls Sinn:
50 MHz × 8 = 400 MHz
Damit wären mindestens zwei Bestückungsvarianten plausibel:
Technisch plausibel, aber bislang nicht sicher belegt
Gerade die 50-MHz-Variante wirkt wie eine sehr naheliegende spätere oder alternative Revision: Der CPU-Takt trifft exakt 400 MHz, der lokale Basistakt der Karte läuft aber höher als bei der 45-MHz-Version.
Gab es auch 40-MHz-Versionen?
Immer wieder taucht die Aussage auf, dass es auch Karten mit 40-MHz-Oszillator gegeben haben soll. Technisch wäre das vollkommen plausibel:
40 MHz × 10 = 400 MHz
Allerdings habe ich dafür bislang keinen wirklich belastbaren Nachweis gefunden — also kein eindeutiges Foto einer Crescendo/PCI G4 400/1M mit klar lesbarem 40.000-MHz-Oszillator und keine verlässliche Dokumentation von Sonnet.
Zwischenstand: Die 40-MHz-Version würde ich aktuell nur als mögliche, aber nicht bestätigte Variante behandeln. Es könnte sich auch um eine Verwechslung mit einer anderen Sonnet-Karte, einer G3-Karte oder um eine später modifizierte Karte handeln.
Können die Oszillatoren nachträglich getauscht worden sein?
Ja, grundsätzlich ist das möglich. Der Oszillator ist ein Standardbauteil und auf der Karte gut zugänglich. Ein späterer Austausch wäre also technisch kein großes Problem. Gerade in der Retro-Szene wurden solche Karten gerne modifiziert, um etwas mehr Takt herauszuholen oder eine instabile Karte kompatibler zu machen.
Bei meiner Karte spricht aber wenig für einen nachträglichen Umbau. Der 45-MHz-Oszillator passt perfekt zum gemessenen Takt von 405 MHz, und die Kombination aus 45 MHz Basistakt und 9× Multiplikator wirkt wie eine saubere Werkskonfiguration.
Hinweise auf einen späteren Tausch wären zum Beispiel deutlich andere Lötstellen als bei den umliegenden Bauteilen, Flussmittelreste, beschädigter Lötstopplack, ein schief sitzender Oszillator oder ein Bauteil mit auffällig abweichendem Datumscode.
Auf meiner Karte sehe ich auf den ersten Blick keine groben Hinweise auf eine Bastelarbeit.
Warum verschiedene Oszillatoren sinnvoll sein können
Die alten PCI-Power-Macs und die vielen Macintosh-Clones der 90er Jahre waren nicht alle gleich tolerant gegenüber höheren Bustakten. Eine 45-MHz-Variante kann daher eine Art Kompromiss gewesen sein: schneller als 40 MHz, aber möglicherweise kompatibler als 50 MHz.
Für meinen Power Macintosh 7600 ist die 45-MHz-Version daher durchaus attraktiv. Sie bietet minimal mehr CPU-Takt als nominell angegeben, ohne gleich auf einen aggressiven 50-MHz-Basistakt zu gehen.
Einordnung im Power Macintosh 7600
Im Power Macintosh 7600 ist die Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M ein enormer Sprung gegenüber der originalen 604- oder 604e-Karte. Auch gegenüber einer G3/333-Karte mit 1 MB Cache ist der Unterschied spürbar, vor allem bei G4-optimierter Software und in Mac OS 9.
Trotzdem darf man nicht vergessen: Der Rechner bleibt ein klassischer PCI-Power-Mac. Speicherbandbreite, PCI-Grafik, alte Systemarchitektur und Mac-OS-9-Treiber setzen Grenzen. Die G4-Karte macht aus dem 7600 keinen Power Mac G4, aber sie verschiebt die Maschine deutlich in Richtung spätes Classic-Mac-OS-Leistungsniveau.
Gerade in Kombination mit viel RAM, einer BlueSCSI v2 und einer guten PCI-Grafikkarte ist das eine sehr reizvolle Konfiguration.
Fazit
Die Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M scheint nicht nur in einer einzigen Taktvariante existiert zu haben. Meine Karte besitzt einen 45-MHz-Oszillator und läuft laut Metronom mit 405 MHz. Andere Karten mit 50-MHz-Oszillator sind ebenfalls dokumentiert beziehungsweise auf Bildern zu sehen.
Die oft erwähnte 40-MHz-Version bleibt dagegen vorerst unbestätigt. Sie wäre technisch logisch, aber ohne eindeutigen Nachweis sollte man sie nicht als gesichert betrachten.
Für meine Karte ergibt sich damit eine klare Einordnung:
Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M
Oszillator: 45.000 MHz
Multiplikator: 9×
CPU-Takt: 405 MHz
L2-Cache: 1 MB Backside Cache
Damit ist sie eine besonders interessante Variante der 400-MHz-Crescendo: nominell eine 400er, praktisch aber eine 405-MHz-Karte.
Hinweis: Die Angaben zu 40-MHz-Varianten sind bewusst vorsichtig formuliert, weil bislang kein eindeutiger Nachweis einer Sonnet Crescendo/PCI G4 400/1M mit 40.000-MHz-Oszillator vorliegt.
Sonntag, 21. Juni 2026