Zwei TA-Laufwerke ohne ihren Rechner

 

Auf der Suche nach dem Alphatronic PC 16

 

Manchmal kommt die Peripherie vor dem Rechner. Auf meinem Schreibtisch stehen seit kurzem zwei externe Diskettenlaufwerke der Triumph-Adler AG, Nürnberg — beige, kantig, mit dem unverkennbaren orangefarbenen TA-Logo in kursiven Versalien. Sie gehören zum Alphatronic PC 16, dem 16-Bit-Nachfolger meines kleinen Alphatronic PC aus den frühen 80ern. Nur den passenden Rechner habe ich noch nicht. Auf den dürfte ich noch eine Weile warten.

Was die Typenschilder verraten

Auf der Rückseite klebt das Schild, das ich an deutscher Industriehardware so liebe: schlicht, sachlich, vollständig. TA AG, D 8500 Nürnberg — die Postleitzahl 8500 verortet das Gerät klar vor 1993, also vor der Postleitzahlenreform. Typ: CD, 220 Volt, 50 Hertz, 42 Watt, Made in Germany. Das untere Laufwerk trägt zusätzlich die Modulbezeichnung CDE 002 mit Seriennummer 8 XV 00010. Die führende „8" liest sich für mich wie das Baujahr 1988 — passend zur Designsprache und zum Übergang von 8 auf 16 Bit, den TA in dieser Zeit vollzog.

Jedes der beiden Laufwerke ist ein eigenständiger Block mit eigenem Netzteil, eigenem Wippschalter und eigener Kaltgerätebuchse — kein gemeinsam versorgtes Doppellaufwerk, sondern zwei autarke Einheiten, die man nach Bedarf stapeln und über das markierte Storage Computer Cable an den Host führt. Diese Trennung ist typisch für die professionelle Bürocomputer-Welt der späten 80er: jede Komponente ein eigenes Modul, modular und servicefreundlich.

Der fehlende Host — TA Alphatronic PC 16

Der Alphatronic PC 16 ist der 16-Bit-Schritt in der Alphatronic-Familie. Während die erste Alphatronic-PC-Generation noch mit einem 8-Bit-Prozessor unter CP/M lief, sollte der PC 16 den Anschluss an die x86-Welt herstellen — die Welt von MS-DOS, IBM-PC-Kompatibilität und der aufkommenden Software-Ökonomie für Bürocomputer in Deutschland. TA hatte mit dem alphatronic-Programm seit den späten 70ern einen festen Platz in deutschen Schreibbüros, Anwaltskanzleien und kleineren Verwaltungen; der PC 16 war einer der Versuche, diese Kundenbasis ins 16-Bit-Zeitalter mitzunehmen.

Gefunden hat man ihn in der Praxis deutlich seltener als die Konkurrenz von Olivetti, Siemens oder die IBM-Clone-Welle aus Fernost. Genau deshalb sind die Laufwerke heute Mangelware: Sie wurden in überschaubaren Stückzahlen ausgeliefert, viele Geräte sind bei der Ausmusterung der Bürocomputer in den 90ern entsorgt worden, und wer einen PC 16 heute in der Hand hält, freut sich meist schon über das nackte Gerät — externe Originalperipherie ist oft längst getrennte Wege gegangen.

„Externe Laufwerke ohne ihren Host sind die typische Sammler-Situation: Man hat das Puzzleteil, aber noch nicht das Puzzle."

Der kleine Bruder im Regal

Zur Einordnung: In meiner Sammlung steht bereits ein TA Alphatronic PC aus den frühen 80er Jahren — die 8-Bit-Generation auf Z80-Basis, CP/M, vollausgestattete Tastatur, klassisch-deutsche Verarbeitung. Ein wunderbares Gerät, mit dem viele Sekretariate damals tatsächlich gearbeitet haben, lange bevor „Personal Computer" als Phrase im Büroalltag ankam. Der PC 16 ist im Grunde das, was passiert wäre, wenn TA diese 8-Bit-Welt konsequent ins MS-DOS-Zeitalter weitergedacht hätte: gleiche Gehäusephilosophie, gleicher beiger Industrie-Charme, nur eben mit 16 Bit unter der Haube.

Genau diese Lücke zwischen den beiden Generationen macht den PC 16 für mich so reizvoll. Er steht für den Moment, in dem ein traditionsreicher deutscher Hersteller versuchte, sich gegen den IBM-PC-Standard zu behaupten — bevor klar war, dass dieser Kampf nicht mehr zu gewinnen sein würde.

Bauqualität, wie man sie kaum noch findet

Was mir an diesen Laufwerken besonders auffällt: das Gewicht, die Materialstärke, die Sorgfalt am Detail. Das Gehäuseblech ist solide, der Kunststoff der Frontblende hat genau die richtige Wandstärke, der Schließhebel rastet mit jenem satten kleinen Geräusch ein, das man heute in keiner USB-Peripherie mehr findet. Die Beschriftung ist gedruckt, nicht geklebt; die Lüftungsschlitze sind großzügig dimensioniert; die Anschlüsse sind geschraubt, nicht verklipst. Das ist Hardware, die für ein zehnjähriges Bürodaueranwendungsleben konstruiert wurde — und der man nach fast vier Jahrzehnten ansieht, dass sie das auch durchgehalten hätte.

Solche Geräte erinnern mich daran, warum Retro-Hardware mehr ist als Nostalgie: Sie macht greifbar, wie Computer einmal geplant wurden, als Software-Updates noch keine Hardware-Erneuerung erzwangen und ein Diskettenlaufwerk schlicht so lange seinen Dienst tat, wie der mechanische Antrieb mitspielte.

WANTED · SUCHE

TA Alphatronic PC 16

Wer einen TA Alphatronic PC 16 abzugeben hat — gerne komplett, gerne auch defekt, gerne mit Tastatur, Monitor oder Originaldokumentation — darf sich sehr gerne bei mir melden. Auch Hinweise auf Bestände, Sammler oder Nachlässe sind willkommen.

Die beiden Laufwerke warten geduldig auf ihren Host.

Montag, 25. Mai 2026

 
 
Erstellt auf einem Mac

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