Zwei Grafikkarten im selben PC
Zwei Grafikkarten im selben PC
Wofür taugt das eigentlich?
Kurzfassung
Zwei GPUs im selben System sind heute kein Gaming-Gimmick mehr, sondern ein echter Produktiv-Booster. In meinem Setup mit RTX 4060 Ti und RTX 5060 Ti rendere ich schneller in Blender und DAZ, exportiere Videos parallel und lasse KI-Jobs gleichzeitig laufen – die Bedienoberfläche bleibt dabei stets flüssig, weil eine Karte die Anzeige übernimmt und die andere rechnet. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Durch die Weiterverwendung der älteren GPU lassen sich Kompatibilitätslücken umgehen, etwa wenn DAZ Studio 4.x noch keine RTX‑50‑Serie unterstützt – so bleibt Iray einsatzbereit.
Ich habe in meinem Windows-Rechner zwei NVIDIA-Grafikkarten verbaut und war damit in den letzten Jahren sehr zufrieden – zuerst fürs Rendern in DAZ Studio (Iray) und Blender (Cycles/OptiX), inzwischen auch für Video-Encoding und einige KI-Workloads. Mein aktuelles Setup besteht aus einem Intel Core i5-12600K auf einem MSI PRO Z690-A DDR4 mit 64 GB RAM sowie einer MSI GeForce RTX 4060 Ti mit 16 GB und einer ASUS GeForce RTX 5060 Ti mit 16 GB. SLI ist deaktiviert, was heute ohnehin kaum noch eine Rolle spielt. Der Monitor läuft in 4K bei 60 Hz. Je nach Slot belegt die eine Karte PCIe x8, die andere x4 – für Compute-Aufgaben ist das in der Praxis unkritisch. Die NVIDIA-Treiber erkennen beide Karten anstandslos; in Blender und DAZ kann ich auswählen, ob eine oder beide GPUs rechnen. Genutzt werden dabei die CUDA- beziehungsweise OptiX-Kerne, bei Iray/OptiX zusätzlich die RT-Cores.
Richtig stark wird ein Dual-GPU-System beim GPU-Rendering. Beide Karten arbeiten parallel, die Szene wird in Kacheln aufgeteilt und die Durchlaufzeiten sinken deutlich. Eine häufige Fehlannahme ist allerdings, dass sich der VRAM addiert: Das stimmt nicht. Jede Szene muss vollständig in den Speicher jeder einzelnen GPU passen, Out-of-Core-Tricks helfen nur begrenzt. Auch bei der Videobearbeitung spielt die zweite Karte ihre Stärken aus. Eine GPU kann Timeline, Effekte und die Benutzeroberfläche versorgen, während die andere das Encoding übernimmt. Da jede NVIDIA-Karte eine eigene NVENC-Einheit mitbringt – bei den neueren Generationen inklusive AV1 – lassen sich mehrere Exporte oder Streams parallel abarbeiten, ohne dass die Bedienung zäh wird.
Für KI-Workloads wie Stable Diffusion lohnt es sich, die Karten nicht zu „verkuppeln“, sondern parallel einzusetzen: zwei Jobs, zwei GPUs. Multi-GPU-Training ist zwar möglich, unter Windows aber aufwendiger zu konfigurieren; für den produktiven Alltag war die Aufgabentrennung pro GPU bei mir die stressfreie Lösung. Ein weiterer Vorteil im Alltag ist die klare Trennung von „Anzeige“ und „Rechnen“: Eine Karte treibt den Monitor an, die andere rechnet – der Desktop bleibt reaktionsschnell, selbst wenn ein Renderer die Rechenkarte zu 100 % auslastet. Ähnlich profitieren Photogrammetrie-Tools wie RealityCapture oder Metashape, die bei Alignment, Dense-Cloud und Meshing gut mit mehreren GPUs skalieren. Wer streamt oder viel aufzeichnet, kann das Spiel oder die Anwendung auf der ersten Karte laufen lassen und OBS mit NVENC auf die zweite verlagern; das stabilisiert die Frametimes und reduziert Ruckler. Denkbar ist außerdem, eine Karte per Passthrough an eine Linux-VM zu geben und so zwei Welten sauber zu trennen – das erfordert etwas Setup-Aufwand, funktioniert aber zuverlässig, wenn Hardware und BIOS mitspielen.
Ein oft unterschätzter Zusatznutzen von zwei Grafikkarten ist der Kompatibilitätsbonus: Man kann seine ältere, bewährte GPU weiterverwenden und so Software-Lücken überbrücken. Praxisbeispiel aus meinem System: DAZ Studio 4.x erkennt und nutzt nach meinem aktuellen Stand die RTX‑50‑Serie noch nicht zuverlässig. Durch die zweite, ältere Karte – in meinem Fall die RTX 4060 Ti – kann Iray weiterhin normal auf der unterstützten GPU rechnen, während die neuere 5060 Ti parallel für andere Aufgaben wie Video-Encoding, KI-Inference oder Blender-Jobs dient. Das ist nicht perfekt, aber eindeutig besser als gar nicht rendern zu können oder zwangsweise zu downgraden.
Damit ein Dual-GPU-System rundläuft, haben sich ein paar Einstellungen bewährt. In der NVIDIA-Systemsteuerung lässt sich pro Anwendung festlegen, welche CUDA-GPUs genutzt werden sollen; PhysX darf in der Regel auf „Auto“ stehen. Unter Windows lohnt die App-Zuordnung zur bevorzugten GPU über die Grafikeinstellungen, damit die richtige Karte als „Hohe Leistung“ gezogen wird. Im BIOS sollten „Above 4G Decoding“ und „Resizable BAR“ aktiviert sein. Auf Z690 teilt sich der CPU-Slot häufig in x8/x8 auf, zusätzliche Slots hängen am Chipsatz mit x4 – für reine Compute-Lasten reicht das, für bandbreitenhungrige Spezialfälle ist x8 die bessere Wahl. Zwei Karten bedeuten auch mehr Abwärme, daher sind ein sauberer Airflow, genügend Gehäuselüfter und ein qualitativ gutes Netzteil mit Reserve Pflicht. Für schnelle Zwischendateien zahlt es sich aus, Render-Cache und Temp-Ordner auf eine NVMe-SSD auszulagern. In Blender aktiviere ich unter Cycles beide GPUs und setze – wenn möglich – auf OptiX, das meist schneller ist als reines CUDA. In DAZ Iray sollte man regelmäßig die GPU-Liste prüfen und bei knappem VRAM Texturen verkleinern oder Instanzen backen, statt sich auf Out-of-Core zu verlassen.
Im Alltag haben sich ein paar Workflows besonders bewährt. Für Animationen splitte ich den Frame-Bereich und lasse jede GPU eine eigene Render-Instanz abarbeiten – eine kleine „Renderfarm“ im Tower. In DaVinci Resolve starte ich zwei Render-Queues parallel und weise jeder Queue eine andere GPU zu, etwa für gleichzeitige H.264- und AV1-Exporte. Bei Stable Diffusion laufen zwei ComfyUI-Pipelines nebeneinander: eine produziert Serien, die andere übernimmt Upscaling oder den Refiner-Schritt.
Unterm Strich sind zwei NVIDIA-GPUs im Desktop 2025 kein Trick für Benchmarks, sondern ein sehr praktischer Produktiv-Booster. Rendering, Encoding, Photogrammetrie und KI-Jobs profitieren vor allem dann, wenn man parallelisiert statt VRAM zu „bündeln“. Mit dem i5-12600K, 64 GB RAM und der Kombination aus RTX 4060 Ti und RTX 5060 Ti läuft das System bei mir stabil und flott – vorausgesetzt, Airflow, Slot-Belegung und Treiber sind sauber eingerichtet.
Montag, 15. September 2025