Der Power Macintosh 7600 hat drei PCI-Steckplätze – und im Laufe meines Retro-DTP-Projekts haben sich sechs Grafikkarten angesammelt, die alle in diesen Slots laufen. Jede davon erzählt ein Stück Geschichte der Mac-Grafikwelt der späten Neunziger. Von der soliden Arbeitskarte bis zum exotischen Sammlerstück ist alles dabei.
Ich habe alle sechs Karten im 7600er getestet – unter Mac OS 9.1, mit dem Fokus auf DTP-Arbeit und der Frage, wie gut sie sich in mein Setup mit OSSC und Elgato Cam Link 4K einfügen. Hier meine Erfahrungen.
Hersteller: IMS / iXMicro (USA) · Chip: IMS TwinTurbo 128+, 128-Bit · RAMDAC: TI TVP3030 (220 MHz) · Speicher: 8 MB SGRAM (16× Samsung SEC) · Anschlüsse: DB-15 (Mac) + VGA · Revision: 3.6 · FCC ID: MAJPCI9602 · Baujahr: ca. 1997 · OSSC: Ja
Die Twin Turbo 128 war Ende der Neunziger eine der beliebtesten Grafikkarten im professionellen Mac-Bereich. IMS – später umbenannt in iXMicro – hat sie mit einem eigenen 128-Bit-Grafikchip ausgestattet, der auf schnelle 2D-Beschleunigung optimiert war. Apple selbst hat die Karte in der Power Macintosh 9600-Serie als OEM-Option verbaut, was für das Vertrauen der Branche in dieses Produkt spricht.
Mein Exemplar ist eine 128M8 in Revision 3.6, Made in U.S.A. – eine Full-Length-PCI-Karte, die den kompletten Slot einnimmt. Die Karte trägt einen separaten Texas Instruments TVP3030 RAMDAC mit 220 MHz – ein hochwertiger Baustein, der für die saubere, VESA-konforme Signalausgabe mitverantwortlich ist und erklärt, warum der OSSC so gut mit dieser Karte zurechtkommt. Die 16 Samsung-SGRAM-Chips liefern 8 MB Videospeicher – genug für 1280×1024 bei Millionen von Farben.
Der doppelte Monitoranschluss – DB-15 für Apple-Monitore und VGA für Standardbildschirme – macht sie besonders flexibel. In meinem Setup hat sie sich als die zuverlässigste Karte erwiesen: Das VGA-Signal ist sauber und wird vom OSSC ohne Probleme akzeptiert.
Mein Eindruck: Die sicherste Wahl für ein DTP-Setup am 7600er. Nicht die schnellste Karte in der Sammlung, aber die zuverlässigste – besonders wenn man einen OSSC oder ähnlichen Scan Converter nutzt. Der hochwertige TI-RAMDAC macht den Unterschied. Aktuell meine Hauptkarte.
2. ATI XClaim 3D (3D Rage II+DVD)
Hersteller: ATI Technologies (Canada) · Chip: ATI 3D Rage II+DVD (215GT2UB23) · Speicher: 4 MB SGRAM (erweiterbar auf 8 MB) · Anschlüsse: DB-15 (Mac) + VGA · Board: PN 109-39200-00 (Vertex M1) · Baujahr: ca. 1996 · OSSC: Ja
Mein Exemplar ist eine ATI XClaim 3D – ATIs eigene Mac-Marke für die Rage-Serie. Der Chip ist ein 3D Rage II+DVD, der neben 2D-Beschleunigung auch grundlegende 3D-Fähigkeiten und Hardware-DVD-Dekodierung mitbrachte. ATI war neben IMS einer der Hauptlieferanten für Mac-Grafikkarten, und die XClaim-Reihe war in den späten Neunzigern überall zu finden – in Power Macs, Klonen und als Nachrüstkarte.
Die Karte sitzt auf dem ATI-Referenzdesign Vertex M1 (PN 109-39200-00), gefertigt in Kanada. Sie hat 4 MB SGRAM bestückt (vier Samsung KM4132G271Q-12 Chips) und wäre über ein optionales Speichermodul auf 8 MB erweiterbar gewesen. Links am Slotblech sitzen zwei Anschlüsse: Mac-DB-15 und VGA.
Apple hat ATI-Chips später als Standard in fast alle Macs eingebaut, vom iMac bis zum Power Mac G3 und G4. Die Rage-Serie war gewissermaßen der Beginn dieser langen Partnerschaft zwischen Apple und ATI.
Mit der Rage-Serie verbinde ich auch eine persönliche Erinnerung: In den Neunzigern hatte ich eine ATI Rage II+, und die 3D-Performance war – ehrlich gesagt – eher enttäuschend. Der Rage-Chip war als 2D-Karte solide, aber für Spiele fehlte ihm einfach die Leistung. Die Lösung kam in Form einer VillageTronic Voodoo 1 als zusätzliche 3D-Beschleunigerkarte. Die war ein echter Game-Changer – endlich flüssige 3D-Grafik auf dem Mac. Und als Bonus konnte man damit auch Spiele mit Glide-Unterstützung spielen, wie etwa Shadow Warrior. Die Kombination aus ATI für 2D und Voodoo für 3D war damals ein gängiges Setup – nicht elegant, aber effektiv.
Im DTP-Alltag macht die XClaim 3D eine gute Figur. Die 2D-Leistung ist auf Augenhöhe mit der Twin Turbo, und die Signalqualität ist tadellos – sauber genug für den OSSC, sauber genug für den Cam Link.
Mein Eindruck: Eine zuverlässige Alternative zur Twin Turbo. Das XClaim-3D-Branding und das Made-in-Canada-Referenzdesign zeigen, dass ATI diese Karte für den Mac-Markt ernst genommen hat. Gute OSSC-Kompatibilität und solide Treiberunterstützung.
3. Apple/ATI Mach64 GX (Apple OEM)
Hersteller: ATI Technologies (Canada), Apple OEM · Chip: ATI Mach64 GX (210888GX00) · RAMDAC: IBM · Speicher: 2 MB VRAM (4× IBM 025170LG5B-70, erweiterbar) · Board: Vertex M1 (PN 109-32900-10) · Apple P/N: 113-32900-104 · Anschlüsse: DB-15 (Mac) · Baujahr: 1995 · OSSC: Ja
Die Mach64 ist die älteste Karte in meiner Sammlung und eine Generation vor der Rage-Serie angesiedelt. Mein Exemplar ist eine echte Apple OEM-Karte – auf dem Board steht „APPLE MACH64, 113-32900-104, (C) 1995“. Diese Karten wurden von ATI in Kanada für Apple gefertigt und ab Werk in den ersten PCI-Power-Macs verbaut. Sie sitzt auf dem gleichen Vertex M1 Board-Design wie die spätere XClaim 3D.
Der Mach64 GX Chip (210888GX00) liefert solide 2D-Beschleunigung, und der IBM RAMDAC sorgt für ein sauberes Ausgangssignal. Die vier IBM VRAM-Chips (025170LG5B-70) ergeben 2 MB Videospeicher – über einen Erweiterungsslot und ein optionales Speichermodul (100-31602-00) wäre mehr möglich gewesen. Als Anschluss gibt es nur einen Mac-DB-15-Port.
Die 2D-Performance reicht für grundlegende DTP-Arbeit aus, auch wenn man beim Scrollen großer Layouts den Altersunterschied zu den neueren Karten spürt. Trotzdem hat sie ihren Platz in der Sammlung: Sie repräsentiert die Frühphase der PCI-Mac-Grafik, und als Apple-OEM-Karte ist sie ein Stück Original-Apple-Hardware. Wie alle ATI-Karten funktioniert sie einwandfrei mit dem OSSC.
Mein Eindruck: Historisch wertvoll als Apple-OEM-Original aus der ersten PCI-Generation. Für ernsthafte DTP-Arbeit heute etwas zu limitiert, aber als Zeitdokument und Referenz dafür, wo die Mac-Grafik herkam, unersetzlich.
Hersteller: Formac GmbH (Deutschland, Eschborn) · Chip: 3dfx Voodoo Banshee · Speicher: 16 MB SGRAM (8× Samsung KM4132S520) · Board: PL195-31 (PNGA93-3) · Anschlüsse: VGA · Kühlung: Sunon Lüfter (aktiv) · Baujahr: ca. 1998–1999 · OSSC: Probleme
Formac war ein deutsches Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt, das sich auf Apple-Peripherie spezialisiert hatte. Die ProFormance-Reihe richtete sich gezielt an professionelle Anwender – Designer, Layouter, Bildbearbeiter. Mein Exemplar ist eine ProFormance III (Partnummer PNGA93-3, Board PL195-31), Made in Germany, mit 16 MB SGRAM auf acht Samsung-Chips und aktiver Kühlung durch einen Sunon-Lüfter – für eine PCI-Karte dieser Ära eher ungewöhnlich. Sie basiert auf dem 3dfx Voodoo Banshee, einem Chip, der 1998 vor allem als Gaming-Beschleuniger bekannt wurde, aber dank seines schnellen 128-Bit-2D-Kerns auch im professionellen Bereich glänzen konnte.
Der Banshee-Chip bietet eine spürbar schnellere 2D-Performance als die Twin Turbo 128. Bildaufbau, Scrolling und Fensteroperationen laufen flüssiger. Dazu kommt der 300-MHz-RAMDAC, der hohe Auflösungen mit scharfem, klarem Bild ermöglicht – eigentlich ideale Voraussetzungen für DTP-Arbeit.
Eigentlich. Denn in meinem Setup gibt es ein Problem: Der OSSC akzeptiert das Signal nicht zuverlässig. Die Timings der Formac-Treiber weichen offenbar genug von den VESA-Standards ab, dass der OSSC das Signal nicht sauber synchronisieren kann. Apple-Monitore der damaligen Zeit waren toleranter – der OSSC ist es leider nicht.
Mein Eindruck: Auf dem Papier und am CRT-Monitor die bessere DTP-Karte als die Twin Turbo. Schneller, schärferes Bild, professioneller Anspruch. Aber die OSSC-Inkompatibilität macht sie für mein aktuelles Setup leider unpraktisch. Eine Lösung über RetroTINK oder angepasste Timings steht noch aus.
5. VillageTronic MP850 (Voodoo Banshee)
Hersteller: VillageTronic (Deutschland) · Chip: 3dfx Voodoo Banshee · Speicher: 16 MB SGRAM (8× ASD AE46D160320-8, beidseitig bestückt) · Board: V1.1 (1998-10-19) · Kühlung: passiver Kühlkörper (rot) · Anschlüsse: DB-15 (Mac) + VGA + Mini-DIN · Baujahr: Oktober 1998 · OSSC: Probleme
VillageTronic ist ein Name, der vor allem Amiga-Veteranen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das Unternehmen machte sich in den frühen Neunzigern mit den Picasso-Grafikkarten für den Amiga einen Namen und brachte dieses Know-how später in den Mac-Markt ein. Mein Exemplar ist eine MP850 – das Top-Modell der MacPicasso-PCI-Serie – und sie ist ein echter Hingucker: dunkelblaues PCB mit auffallendem roten Slotblech und rotem passiven Kühlkörper auf dem Banshee-Chip. Board-Revision V1.1 vom 19. Oktober 1998.
Die 16 MB SGRAM verteilen sich auf acht ASD AE46D160320-8 Chips, die beidseitig auf dem Board bestückt sind – ungewöhnlich, da die meisten Banshee-Karten Samsung- oder EliteMT-Speicher nutzten. Am roten Slotblech sitzen drei Anschlüsse: DB-15 (Mac), VGA und ein Mini-DIN-Port. Das macht die Karte extrem flexibel bei der Monitorwahl.
Im Vergleich zur Formac ProFormance III fällt der unterschiedliche Kühlungsansatz auf: Wo Formac einen aktiven Sunon-Lüfter verbaut, setzt VillageTronic auf passive Kühlung – leiser, aber auch abhängiger von guter Gehäusebelüftung. Leider teilt die Karte das Signalproblem der Formac: Am OSSC bekomme ich kein stabiles Bild.
Mein Eindruck: Optisch die schönste Karte in meiner Sammlung – das rot-blaue Farbschema ist unverwechselbar. Als Sammlerstück mit Amiga-Geschichte im Stammbaum kulturgeschichtlich besonders wertvoll. Technisch gleichwertig mit der Formac, aber ebenso inkompatibel mit dem OSSC.
Hersteller: phase 5 digital products (Deutschland, Aachen) · Entwickler: Carda/Knabel · Chip: 3DLabs Permedia 2 (P4020GFN, 9743AC) · Speicher: 4 MB SGRAM (8× Fujitsu MB816163222-010, beidseitig bestückt) · Anschlüsse: VGA, DB-15 (Mac), Mini-DIN (Shutterbrille / shutter glasses) + Erweiterungsport · S/N: G800536 · Baujahr: 1997 (Board: 07/1998) · OSSC: Probleme
Die Phase5 G-REX 3D ist das exotischste Stück in meiner Sammlung – komplett mit dem kleinen Dinosaurier-Logo oben rechts auf dem Board. Phase5 – offiziell „phase 5 digital products“ – war ein Aachener Unternehmen, das in der Amiga-Szene legendären Status hatte. Die Blizzard- und CyberStorm-Beschleunigerkarten waren für viele Amiga-Nutzer der Heilige Gral. Dass Phase5 auch Mac-Hardware gebaut hat, wissen nur wenige. Auf dem Board sind die Entwickler namentlich verewigt: Carda/Knabel – Wolf Dietrich Carda und Gerald Knabel, die Gründer von Phase5.
Der Permedia 2 (3DLabs P4020GFN, gefertigt auf den Philippinen, Woche 43/1997) war ein ambitionierter Chip: Kein reiner Consumer-Grafikbeschleuniger, sondern ein semi-professioneller Prozessor mit integriertem GLINT-R2-Geometrie-Engine für hardwarebeschleunigte OpenGL-Operationen. Die CyberVision64/3D für den Amiga nutzte denselben Chip – Phase5 hat ihn plattformübergreifend eingesetzt. Die 4 MB SGRAM verteilen sich auf acht Fujitsu MB816163222-010 Chips (Japan, 1997), beidseitig auf dem Board bestückt.
Neben VGA und Mac-DB-15 hat die Karte den Mini-DIN-Anschluss für Shutterbrillen sowie einen breiten Erweiterungsport oben auf dem Board. Und genau mit der Shutterbrille habe ich in den späten Neunzigern meine ersten 3D-Erfahrungen gemacht. Ich hatte mir die Karte zusammen mit der Brille von einem Freund ausgeliehen und damit unter anderem Unreal gespielt. Der 3D-Effekt war damals wirklich beeindruckend – die Räumlichkeit, die Tiefe der Level, das Gefühl, mitten in der Spielwelt zu stehen. Auch die Geschwindigkeit war für die damalige Zeit überraschend gut. Was weniger überzeugte, waren die Texturen – bei 4 MB SGRAM und den Limitierungen des Permedia 2 war das aber nicht anders zu erwarten. Und nach maximal 30 Minuten war Schluss: der Schwindel wurde zu stark, und die Brille musste runter. Die Technik war ihrer Zeit etwas voraus, die menschliche Wahrnehmung aber nicht bereit dafür.
In der Praxis unter Mac OS 9 ist die 2D-Performance solide, aber nicht überragend. Für DTP-Arbeit reicht sie aus, kann aber mit den Banshee-Karten nicht ganz mithalten. Und auch hier: Am OSSC bekomme ich das Signal nicht stabil synchronisiert.
Mein Eindruck: Ein echtes Sammlerstück und technisch faszinierend – mit persönlicher Geschichte. Die Verbindung aus Phase5-Amiga-Erbe, den Namen der Entwickler auf dem Board, semi-professionellem Permedia-2-Chip, Stereo-3D-Fähigkeit und Mac-Kompatibilität macht sie einzigartig. Für den täglichen DTP-Einsatz gibt es bessere Optionen, aber als Zeitzeuge ist sie unersetzlich.
OSSC
IMS Twin Turbo 128M8
TwinTurbo 128+
8 MB
USA
ATI XClaim 3D
3D Rage II+DVD
4 MB
Kanada
Apple/ATI Mach64 GX
Mach64 GX
2 MB
Kanada
Formac ProFormance III
3dfx Banshee
16 MB
Deutschland
VillageTronic MP850
3dfx Banshee
16 MB
Deutschland
Phase5 G-REX 3D
3DLabs Permedia 2
4 MB
Deutschland
Was fällt auf?
Drei der sechs Karten kommen von deutschen Herstellern – Formac, VillageTronic und Phase5. Das ist kein Zufall. Ende der Neunziger gab es eine lebendige deutsche Szene rund um Mac- und Amiga-Hardware. Formac kam aus der Apple-Welt, VillageTronic und Phase5 aus der Amiga-Szene. Alle drei haben nach dem Ende von Commodore ihr Know-how in den Mac-Markt mitgenommen. Es ist ein Stück deutscher Technikgeschichte, das heute fast vergessen ist.
Und es zeigt sich ein klares Muster bei der OSSC-Kompatibilität: Die amerikanischen und kanadischen Karten (IMS, ATI) liefern saubere VESA-konforme Signale. Die deutschen Karten – mit ihren Banshee- und Permedia-Chips – weichen in den Timings ab. Apple-Monitore waren tolerant genug, um das zu schlucken. Moderne Scan Converter sind es nicht.
Für mein Retro-DTP-Setup bleibt die IMS Twin Turbo 128 vorerst die erste Wahl: zuverlässig, OSSC-kompatibel, ausreichend schnell. Aber die Formac ProFormance 3 wartet im Hintergrund – und sobald ich eine Lösung für die Signalprobleme gefunden habe, wird sie die Twin Turbo als Hauptkarte ablösen. Dafür steht ein zweiter 7600er als Testplattform bereit.
Hinweis zur VillageTronic: VillageTronic bot die Banshee-Karte in zwei Varianten an: die MP750 mit 8 MB und die MP850 mit 16 MB SGRAM. Mein Exemplar ist die MP850. Die ältere MacPicasso-340-Bezeichnung gehört zu einer NuBus-Karte mit Cirrus-Logic-Chip und hat mit der PCI-Banshee-Serie nichts zu tun.
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